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Leise rudere ich ans andere Ufer, schiebe mein Boot an Land und greife nach dem Fernglas. Dieses Utensil ist eben dochdas Wichtigste von allem. Schon oft konnte ich „schlechte“ Angeltage retten. Vorsichtig pirsche ich in das angrenzende Gehölz.
Dann entdecke ich das Mäusebussartpärchen. Lautstark verkünden die beiden ihren Anspruch auf dieses Terrain und versuchen so, zwei Artgenossen in der Luft zu vertreiben. Schliesslich gelingt das Unternehmen, und die Eindringlinge entfernen sich.
Dann entdecke ich das Mäusebussartpärchen. Lautstark verkünden die beiden ihren Anspruch auf dieses Terrain und versuchen so, zwei Artgenossen in der Luft zu vertreiben. Schliesslich gelingt das Unternehmen, und die Eindringlinge entfernen sich.
Versteckt hinter einem dicken ausgestorbenen Baum, kann ich das Treiben der Blesshühner (Taucherli) verfolgen. Majestätisch und stolz schwimmen sie zurück zu ihrem Nachwuchs. Diese strotzen nur so von Tatendrang, und die beiden Altvögel müssen immer wieder für Ordnung sorgen. Was für herrliche Szenen, und ich bin wieder einmal dabei. Nach einer Weile zieh ich mich vorsichtig zurück.
Glücklich am Boot angekommen und um ein Erlebnis reicher, greife ich zu meiner Thermoskanne. Geniesse den Waldblütengeschmack des Tees und lasse das eben erlebte Revue passieren. Einfach toll, zufrieden lächle ich vor mich hin.
Warum, frage ich mich, haben manche Angler für solche und weit weniger spektakuläre Begebenheiten ausserhalb des Wassers keinen Blick? Geht es tatsächlich nur noch darum, Fische zu fangen? Und zählen wirklich nur noch Kapitale? Ist es ein verlorner Tag, wenn der Bissanzeiger (Zapfen) nicht unter geht? Oder wenn sich nur die Fische an der „Kinderstube“ an unseren Ködern vergreifen?
Wenn dem so ist, dann habe ich schon unzählige Tage in meinem Leben vergeudet. Ich beginne zu rechnen. Das sind Monate, oder sogar Jahre? Ich denke an meine langsam grau werdenden Schläfen. Ja soviel Zeit ist vergangen, es müssen Jahre sein.
Wind kommt auf und bringt Bewegung in die Äste und Zweige der Bäume. So stark, dass sich einzelne Blätter lösen. Der Fischreiher jedoch zieht daraus seinen Nutzen. Mit grossen Schritten schreitet er ohne jegliche Kraftanstrengung am Ufer entlang. Wieder greife ich zum Fernglas. Dann habe ich ihn endlich damit eingefangen. Was für ein grandioses Tier. Ich sehe wie er ständig seinen Kopf verdreht, nach unvorsichtigen Fischen Ausschau hält. Beharrlich schreitet er am Ufer entlang und wartet auf seine Chance. Urplötzlich sticht sein Schnabel ins Wasser. Doch nur kurz und er zieht den Schnabel wieder hoch. Aber auch ihm ist heute kein Erfolg vergönnt. Mit leeren Fängen fliegt er davon.
Ich setzte mein Fernglas ab und stelle fest, dass ich gut eine Stunde Angelzeit „verschenkt“ habe. Eine verlorene Stunde? Nein, keineswegs. Schön und beeindruckend war wieder einmal jede Sekunde dieser Erlebnisse. Nicht das wir uns falsch verstehen, auch ich möchte Fische fangen. Möchte den harten Schlag in der Rute spüren, wenn der Wobbler heftig attackiert wird, liebe das nervenaufreibende Spiel der Schleie, wenn sie minutenlang den Bissanzeiger (Zapfen) erzittern lässt. Oder aber die plötzlich einsetzende Knarre, die einen Hechtbiss signalisiert. Vieles, vieles mehr wäre noch aufzuzählen. So unendlich breit und so einzigartig ist die Palette des Fischens.
Doch auch Schneidertage bescheren mir zu jeder Jahreszeit unvergessliche Augenblicke: Dazu gehört sogar das Knirschen des Schnees bei jedem Schritte durch die weiße Pracht im Winter. Oder das Gezwitscher der Vögel, wenn der Frühling naht. Der Ruf der Zwergdrommel im Schilf oder die heranziehenden Sommergewitter, welche diesen eigenartigen, verräterischen Duft vor sich her schieben. Und was für eine Pracht wenn sich im Herbst das Laub verfärbt oder der Rothirsch im Wald lautstark seinen Revieranspruch verkündet
Ob zu Wasser, zu Land, oder in der Luft: Überall gibt es etwas zu sehen und immer wieder neu zu entdecken.
Nichts davon möchte ich missen. Aber gar nichts.
Apri 2012 /frommi
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